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Herbstwanderung

Herbstwanderung

Golden und rot leuchtende Blätter
in tief stehender Sonne.
Farben explodieren
verschwenderisch
trunken
vergehend.

Reife Früchte
Beeren unbekannten Namens
aromatische Fülle
Ahnung von Fäulnis.

Vögel sammeln sich
Kraniche ziehen
Wespen umsummen das Obst
Waldtiere bereiten sich vor.

Altweiberfäden zeigen sich
in schrägen Sonnenstrahlen,
auf Spinnweben glitzern Tautropfen,
ein Blatt dreht sich herabfallend
in seiner farbigen Schönheit.

Es riecht feucht
intensiv
erdig
nach Pilzen
nassem Holz
Tannennadeln
sich zersetzenden Blättern
Wildschweinen.
Dieser Geruch:
unvergesslich
Heimat.

Ich sammle bunte Zweige
die letzten Blüten
Äste mit Beeren
anmutige Gräser –
sie werden das Zimmer schmücken.

Bald sind die Zweige kahl,
tragen die Äste nur noch sich selbst
die Gräser hängen,
sie haben ihre Schönheit überlebt.
Die Vase bleibt leer.

Bald wird der weich-feuchte Waldboden
frosthart
Schnee bedeckt die abgestorbenen Blätter.
Die große Stille zieht ein.

Text from Renate Augenstein

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Thoughts and comparisons translating “Herbst” by Rilke

Rainer Maria Rilke: „Herbst”

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

 

There are several translations of this interesting poem which appear to be copyrighted. In particular mit verneinender Gebärde seems not easy to render into English. Something like with a gesture of decline doesn’t quite measure up. Anyway the poem seems to make a parallel between the seasonal fall and the religious sense of falling into the arms of divine Grace. It put me in mind of the lines from a familiar hymn:-

To all life thou givest — to both great and small;
In all life thou livest, the true life of all;
We blossom and flourish as leaves on the tree,
And wither and perish—but nought changeth thee.

This is from a famous hymn by  Walter Chalmers Smith, “Immortal, Invisible, God only Wise”.

Immortal, invisible, God only wise,
In light inaccessible hid from our eyes,
Most blessèd, most glorious, the Ancient of Days,
Almighty, victorious, thy great Name we praise.

Unresting, unhasting, and silent as light,
Nor wanting, nor wasting, thou rulest in might;
Thy justice like mountains high soaring above
Thy clouds which are fountains of goodness and love.

To all life thou givest — to both great and small;
In all life thou livest, the true life of all;
We blossom and flourish as leaves on the tree,
And wither and perish—but nought changeth thee.

Great Father of glory, pure Father of light,
Thine angels adore thee, all veiling their sight;
All laud we would render: O help us to see
’Tis only the splendour of light hideth thee.

or

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

 

 

Das ist der Herbst bei Theodor Storm

TS2Das ist der Herbst; die Blätter fliegen,
Durch nackte Zweige fährt der Wind;
Es schwankt das Schiff, die Segel schwellen –
Leb wohl, du reizend Schifferkind! —
Sie schaute mit den klaren Augen
Vom Bord des Schiffes unverwandt,
Und Grüße einer fremden Sprache
Schickte sie wieder und wieder ans Land.
Am Ufer standen wir und hielten
Den Segler mit den Augen fest –
Das ist der Herbst! wo alles Leben
Und alle Schönheit uns verläßt.

http://www.youtube.com/watch?v=3_zHjPRo1oc

St Levab

TS1