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German Matters Poetry

Selahattin Batu-türkischer Dichter

 

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Du – das weiß ich – bist die Stille hier,
Du tratst ein, und nun, ich lausche dir.
Niemand ist im Haus; alleine du .
Selbst dein Atem ist mein Atem nur,
Oh Verströmer, Warten, Sehnsuchtspein:
Du, wie ich, so unsagbar allein,
In der Flöte deiner Stimme Spur
Blick mit meinem Aug, mir: zugewandt,
Weich liegt meine Hand in deiner Hand,
Deine Stimme meines Rausches schwer.
Nur noch du bestehst. Ich bin nicht mehr.

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German Matters Penwith Poetry

Baby, es regnet doch

Evelyn: Ich muss jetzt nach Haus‘
Bully: Baby, es regnet doch
Evelyn: Komm, lass mich hinaus
Bully: Aber, Baby, es regnet doch
Evelyn: Der Abend war schön
Bully: Drum sollst du noch lang‘ nicht geh’n
Evelyn: Ganz wunderbar
Bully: Du läufst im Regen nur Gefahr

Evely: Die Mutter wird sich schon sorgen
Bully; Das gibt sich schon bis morgen
Evelyn: Mein Vater regt sich auf, nicht zu knapp
Bully: Später regt er sich wieder ab
Evelyn: Ich war doch schon hier drei Stunden
Bully: Mir scheint nur drei Sekunden
Evelyn: Ich trinke noch ein letztes Glas Wein
Bully: Muss es denn das letzte Glas sein

Evelyn: Die Nachbarn im Haus
Bully: Ach Baby es hagelt bald
Eyelyn: Die schau’n nach mir aus
Bully: Dafür ist es viel zu kalt
Evelyn: Ich fühl’ mich ganz warm
Bully: Bestimmt nur in meinem Arm
Evelyn: Und wenn es schneit
Bully: Doch nicht um diese Jahreszeit
Evelyn: Ich sollte schon längst nicht mehr hier sein
Bully: Immer sollst du bei mir sein
Evelyn: Warum schaust du so zärtlich mich an
Bully: Weil ich einfach nicht anders kann
Evely: Jetzt hab’ ich schon Angst
Beide: Jetz hab‘ ich schon Angst,
was du verlangst von mir.

Evelyn; Jetzt ist es genug
Bully: Baby, noch lange nicht
Evelyn: Schau, sei doch mal klug
Bully: Baby, die Liebe spricht
Evelyn: Die Liebe macht blind
Bully: Das ist mir egal, mein Kind
Evelyn: Sei doch gescheit
Bully: Aber dafür hab’ ich im Alter Zeit
Evelyn: Was meine Schwester wohl denkt von uns beiden
Bully: Die kann uns doch nur beneiden
Evelyn: Mein Bruder nimmt bestimmt von uns an
Bully: Weißt du was Dein Bruder mich kann
Evely: Die Mädchen im Haus die schwätzeln
Bully; Lass doch die Ziegen hetzen
Evelyn: Auf jeden Fall wird das ein Skandal
Bully: Dann ist doch schon alles egal

Evelyn: Ich muss jetzt nach Haus‘
Bully: Baby es stürmt und blitzt
Evelyn: Egal, ich muss raus
Bully: Wie süß deine Bluse sitzt
Evelyn: Du, ich flieg’ zu Haus raus
Bully: Warum gehst du denn erst nach Haus
Evelyn: Für alle Zeit
Bully: Ich liebe dich in diesem Kleid
Evelyn: Das kommt davon, wenn ich trinke
Bully: Lass doch die Lippenschminke
Evelyn: Die Straßenbahn wird schon lang‘ nicht mehr geh’n
Bully: Wer könnte dir wiedersteh‘n
Evelyn: Jetzt ist‘s mir egal
Beide: Jetzt ist‘s mir egal,
küsse mich tausend Mal.
Bully: Aber Baby, es
Evelyn: Jaaa

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German Matters Poetry

Das rote Zimmer -Li-TaiPe (von Klabund)

Es stampft mein Pferd. Der Blütenregen rauscht;
Und Blütenzweige streifen wolkig meine Wange.
Es kriecht der Fluß wie eine braune Schlange,
Auf der ein Segel sich wie eine Wespe bauscht.

Ein Mädchen lächelt. Bambusvorhang hebt
Sich unter ihrer Finger Mondenschimmer.
Und aus der Tiefe stürzt und lockt und schwebt
Ein dunkelrotes, ein ersehntes Zimmer –

Winkt mir, errötend, meines Mädchens Zimmer.

RR

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German Matters Literature Poetry

‘August’ by Eric Kästner

Der August
Erich KästnerKae1

Nun hebt das Jahr die Sense hoch
und mäht die Sommertage wie ein Bauer.
Wer sät, muss mähen.
Und wer mäht, muss säen.
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.

Stockrosen stehen hinterm Zaun
in ihren alten, brüchigseidnen Trachten.
Die Sonnenblumen, üppig, blond und braun,
mit Schleiern vorm Gesicht, schaun aus wie Frau’n,
die eine Reise in die Hauptstadt machten.

Wann reisten sie? Bei Tage kaum.
Stets leuchteten sie golden am Stakete.
Wann reisten sie? Vielleicht im Traum?
Nachts, als der Duft vom Lindenbaum
an ihnen abschiedssüß vorüberwehte?

In Büchern liest man groß und breit,
selbst das Unendliche sei nicht unendlich.
Man dreht und wendet Raum und Zeit.
Man ist gescheiter als gescheit, –
das Unverständliche bleibt unverständlich.

Ein Erntewagen schwankt durchs Feld.
Im Garten riecht’s nach Minze und Kamille.
Man sieht die Hitze. Und man hört die Stille.
Wie klein ist heut die ganze Welt!
Wie groß und grenzenlos ist die Idylle …

Nichts bleibt, mein Herz. Bald sagt der Tag Gutnacht.
Sternschnuppen fallen dann, silbern und sacht,
ins Irgendwo, wie Tränen ohne Trauer.
Dann wünsche Deinen Wunsch, doch gib gut acht!
Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer.Kae4
 
 
Now, the year the Sense picks her up
and mows the summer days as a farmer.
 He who sows, must mow.
 And who mows must sow.
 Nothing remains, my heart.
 And everything is permanent.
Hollyhocks stand behind the fence
in their old, slender thread costumes.
The sunflowers, lush, blonde and brown
with veiled faces looking like ladies
making a trip to the County town

When did they travel? In a few days
They always shone golden in the stockades.
When did they travel? Maybe in a dream?
At night, as the scent of linden tree
blew sweet farewells over them?

In books it is clearly stated,
even the infinite is not infinite.
It twists and turns space and time.
It is cleverer than clever -and
the incomprehensible is incomprehensible.

A harvest wagon rumbles across the field.
And the garden smells of mint and chamomile.
One even sees the heat. And you can hear the silence.
How small the world appears today!
How great and boundless and idyllic …

Nothing remains, dear heart. Soon the day good night says.
meteors fall then, silver and gently,
into somewhere, like tears without sadness.
Then wish your wish, but pay close attention!
Nothing remains, my heart. And everything is permanent.

 

Kae3

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Art Exhibition Reviews German Matters

Louise Bourgeois. Strukturen des Daseins:Die Zellen- Haus der Kunst,München

Just 100 years after the birth of Louise Bourgeois in 1911, her work is due to be re-considered and this display at the Haus Der Kunst in Munich affords an opportunity to evaluate a small but interesting section of it.LB4

Her concerns flourished in a troubled personal and collective past. Here is revealed a land of mirrors, shadows and memory. The exhibition is dominated by large structures, perhaps up to 6m in height as cells, enclosures and gigantic spider like constructions. Their colours are sparse but significant. These units were created by Bourgeois from 1996 after the year 2000. It is impossible not to be aware from their imposing presence of surrealism, of Kafka and of both feminism and psychoanalysis. Having undergone analytical treatment, Louise Bourgeois’ work struggles with the emotions of early childhood; jealousy, fear, security, sexuality, voyeurism and mothering are prominent themes in this exhibition. The supporting frames and nesting shapes are reminiscent of her work inspired by Giacometti as well perhaps of Francis Bacon.LB_Cell_VI_01

The cells are enclosures which suggest relationships which may sometimes become claustrophobic. The insides are not entirely open to the viewer who may feel something of an intruder into a private and personal world. “Cell VI” for instance, consists of a metal stool placed inside a screen of four doors with a gap for the spectator all painted in a light blue suggests an interrogation or perhaps, self-accusation or possibly both. Seeing a number of such structures standing separately, cells or selves in isolation, portraying pre-occupation with past trauma, is reminiscent of Hesse’s evocative poem, “Der Nebel” and its daunting conclusion, “Jeder ist allein”.LB3

Yet despite the creepy insect structures, the wire netting, the discarded bottles, there is an underlying energy about Bourgeois’s work which involves the courage to confront the past. There is an implication of the possibility for communication. Bourgeois was deeply influenced by Leger who believed that together men could transform social relationships and build a better future. As D.H.Lawrence suggested, “One must learn to love, and go through a good deal of suffering to get to it, and the journey is always towards the other soul.”

More details at http://www.hausderkunst.de/ausstellungen/detail/louise-bourgeois-cells/

and about the artist at https://en.wikipedia.org/wiki/Louise_Bourgeois

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German Matters Literature Poetry

Rilke- Liebeslied

Liebes-Lied

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Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu andern Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.

Aus: Neue Gedichte (1907)

 

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German Matters Literature Poetry

Über die Bezeichnung Emigranten-Brecht (1937)

Über die Bezeichnung Emigranten

Maurycy Minkowski "The Family"1927
Maurycy Minkowski “The Family”1927

Immer fand ich den Namen falsch, den man uns gab:
Emigranten.
Das heißt doch Auswandrer. Aber wir
Wanderten doch nicht aus, nach freiem Entschluss
Wählend ein andres Land. Wanderten wir doch auch nicht
Ein in ein Land, dort zu bleiben, womöglich für immer
Sondern wir flohen. Vertriebene sind wir, Verbannte.
Und kein Heim, ein Exil soll das Land sein, das uns da
aufnahm

Unruhig sitzen wir so, möglichst nahe den Grenzen
Wartend des Tags der Rückkehr, jede kleinste Veränderung
Jenseits der Grenze beobachtend, jeden Ankömmling
Eifrig befragend, nichts vergessend und nichts aufgebend
Und auch verzeihend nichts, was geschah, nichts verzeihend.
Ach, die Stille der Sunde täuscht uns nicht! Wir hören die
Schreie
Aus ihren Lagern bis hierher. Sind wir doch selber
Fast wie Gerüchte von Untaten, die da entkamen
Über die Grenzen. Jeder von uns
Der mit zerrissenen Schuhn durch die Menge geht
Zeugt von der Schande, die jetzt unser Land befleckt.
Aber keiner von uns
Wird hier bleiben. Das letzte Wort
Ist noch nicht gesprochen.

By Marlene Dumas
By Marlene Dumas

At present there is much discussion over emigration/immigration and this rather beautiful poem was written by Brecht upon his partial escape from the Nazis in 1937 into Denmark. He states that, he always finds the name emigrant a false term as it is not through free will that he is forced to escape but for survival. This might remind us too that many journeys are made out of necessity; choice does not come into the matter. “Vertriebene sind wir”- we are in fact expelled! In such a state, people are innocent and eager to ask each new arrival across the border and question each new arrival coming across the border. The overbearing silence of an authoritarian regime does not hide, “Wir hören die Schreie” the cries of pain from the lost homeland. As we pass dressed in rags and  tatters through the crowds, testifies to the disgrace that stains our land right now. However, it appears that the poem ends with hope- “Das letzte Wort
Ist noch nicht gesprochen.” -the last word is yet to be spoken. Tyranny will be defeated.

The poem is thoroughly and clearly analysed  in German –

Weitere Informationen, Links und Buchtipps findet Ihr auf unserem Blog:
http://deutschstundeonline.blogspot.com/

 

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Art and Photographic History German Matters

Sehnsucht nach Wien und Egon Schiele

Nearly 125 years from the birth of Egon Schiele whose work I was recently perusing when I came across this evocative and soulful painting of a captured Russian Officer. The expression and demeanour clearly express his sense of resignation and the general apathy induced by the futility of war. In Vienna 1916 there were clearly many Russian prisoners and they appear to have been painted with the same compassion. The drawing of the girl also seems to convey this a similar human quality.ES2

Russian prisoner of war 1916
Russian prisoner of war 1916

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German Matters Literature Poetry

Crossing the Water by Sylvia Plath (Übers Wasser)

SylviaBlack lake, black boat, two black, cut-paper people.
Where do the black trees go that drink here?
Their shadows must cover Canada.

A little light is filtering from the water flowers.
Their leaves do not wish us to hurry:
They are round and flat and full of dark advice.

Cold worlds shake from the oar.
The spirit of blackness is in us, it is in the fishes.
A snag is lifting a valedictory, pale hand;

Stars open among the lilies.
Are you not blinded by such expressionless sirens?
This is the silence of astounded souls.

Now available in German see http://www.welt.de/print/die_welt/literatur/article123763734/Fuehrt-kein-Weg-aus-dem-Kopf-heraus.htmlsylvia-plath

Übers Wasser

Schwarzer See, schwarzes Boot, zwei schwarze

Scherenschnitt-Menschen.

Wohin führen die schwarzen Bäume, die hier trinken?

Ihre Schatten müssen ganz Kanada bedecken.

Ein wenig Licht filtert sich aus den Wasserpflanzen.

Ihre Blätter fordern uns nicht zur Eile auf.

Sie sind rund und flach und voll dunklen Rats.

Kalte Welten zittern vom Ruder.

Der Geist der Schwärze ist in uns, er ist in den Fischen.

Ein Baumstumpf hebt Abschied nehmend die blasse Hand.

Sterne öffnen sich zwischen den Seerosen.

Bist du nicht geblendet von solch tonlosen Sirenen?

Dies ist die Stille erstaunter Seelen.

Les Champignons” [“Mushrooms” (1959) – nouvelle traduction en français]

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German Matters Literature Poetry

Wetter -Thomas Hardy (1840-1928)

WetterTH

                              1
Dies ist das Wetter, das der Kuckuck liebt,
      und Ich auch;
wenn Schauer herabfallen auf die Kastanienstacheln
      und Nestlinge flügge werden:
und die kleine braune Nachtigall schnäbelt aufs beste,
und man sitzt draußen beim Gasthof Wanderers Ruh,
und Mädchen kommen heraus in Zweigmuster-Musselin,
und Bürger träumen von Süden und Westen,
      und ich auch.
                               2
Dies ist das Wetter, das der Schärfer meidet,
       und ich auch;
wenn Buchen in braunen und bräunlichen Tönen tröpfeln
       und dreschen und arbeiten;
und Fluten, von Bergen verdeckt, heftig klopfen, Wehe auf
                                                       Wehe,
und Wiesenbäche überfließen,
und Tropfen auf Torstangen in einer Reihe hängen,
und Saatkrähen in Familien heimwärts gehen,
       und ich auch.
From the translation of http://www.amazon.de/Englische-Lyrik-50-Gedichte-Zweisprachig/dp/3150188431/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1427988992&sr=1-1&keywords=englische+lyrik
TH2
Weathers

          (I)

 This is the weather the cuckoo likes,
     And so do I;
 When showers betumble the chestnut spikes,
     And nestlings fly;
 And the little brown nightingale bills his best,
 And they sit outside at 'The Traveller's Rest,'
 And maids come forth sprig-muslin drest,
 And citizens dream of the south and west,
     And so do I.

          (II)

 This is the weather the shepherd shuns,
     And so do I;
 When beeches drip in browns and duns,
     And thresh and ply;
 And hill-hid tides throb, throe on throe,
 And meadow rivulets overflow,
 And drops on gate bars hang in a row,
 And rooks in families homeward go,
     And so do I.

There is a commentry at http://englishwithasmile.org/2013/07/20/poetry-time-easy-line-by-line-explanation-of-thomas-hardys-weathers/
TH1